Wie alles begann

Die Notkirche

Rohbau
Mitte August 1950 ist der Baubeginn für die Notkirche. Architekt der Kirche ist Herr Ludwig Geith. Der Bauplan wird mit Beschluss des Bauausschusses des Stadtrates der Stadt Ingolstadt vom 21.08.1950 genehmigt. Von Anfang an ist das Gebäude als Notkirche vorgesehen. Die Kirche wird so geplant, dass sie später ohne große Umbauten als Pfarrsaal bzw. Jugendheim verwendet werden kann. Wie aus einem im Diözesanarchiv vorhandenen Originalbauplan zu entnehmen ist, wurde der Bauantrag sogar offiziell für ein "Jugendheim" gestellt! Große Probleme bereitete in der damaligen Zeit nach dem Krieg die Finanzierung des Baus und die Beschaffung von Baumaterialien. Der Orden der Herz-Jesu-Missionare stellte als Grundstock einen Betrag von 10.000 DM zur Verfügung. Da dies natürlich nicht reichte, versuchte Pater Schmid mit großem Einsatz weitere Mittel zu bekommen. Sonntag für Sonntag und oft auch Wochentags fuhr Pater Schmid im Laufe des Sommers als Sozius auf dem Motorrad des Schreinermeisters Koch in die nähere und weitere Umgebung Ingolstadts um Holz und andere Baustoffe für die Notkirche zu erbitten. Stamm um Stamm sammelte er, bis das nötige Bauholz sichergestellt war. Von der Stadt Ingolstadt und von Kronprinz Rupprecht von Bayern (Wittelsbacher Ausgleichsfond) erhielt er je 20 Kubikmeter Bauholz unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Auch in den folgenden Jahren fährt Pater Schmid, immer wieder zu den Hopfenbauern in die Holledau und bettelt Hopfen. Bisweilen gelingt es ihm, auf diese Art und Weise bis zu 20 Zentner Hopfen zusammenzubekommen. Diesen verkauft er an Brauereien. Mit dem Erlös aus diesen Aktionen finanziert er den Bau der Notkirche. Oft finden diese Betteltouren unter abenteuerlichen Umständen statt.

Zur Finanzierung der Kirche werden von den Herz-Jesu-Missionaren auch "Bausteine" verkauft. Dabei handelt es sich um postkartengroße Karten, auf denen das Anliegen der Missionare aufgedruckt ist.

Mitte Oktober 1950 konnte bereits das Richtfest für die neue Kirche gefeiert werden. Diese ist mit großen, hellen Fenstern ausgestattet, 33 Meter lang, 14 Meter breit und sollte bis zu 500 Personen Platz bieten. Die lichte Höhe der Halle, die eine Kassettendecke erhalten wird, beträgt 6,20 Meter. Lediglich der Chor ist unterkellert und soll Heizung und Räume für Heizmaterial und Akten aufnehmen. Als Taufkapelle und Diensträume für den Pfarrer sind kleinere Räume vorgesehen, die bei der späteren Verwendung als Nähzimmer, Pfarrbücherei, Leseraum, Unterrichtsraum u. dgl. verwendet werden sollen.

Am 28. Oktober 1950 veröffentlicht der Donau Kurier eine Zeichnung, auf der zu sehen ist, wie die endgültige Kirche aussehen soll. Allerdings wurden diese Pläne später nicht verwirklicht.

Im Mai 1951 geht der Bau der Notkirche allmählich seiner Vollendung entgegen. Die Einweihung wird mit Schreiben des Generalvikars von Eichstätt vom 29. Mai 1951 auf Samstag, 07. Juli 1951, festgesetzt. Dennoch sind noch viele Arbeiten an der Notkirche auszuführen. Viele Arbeiten werden von der Lehrlingswerkstatt des Klosters Birkeneck bei Freising ausgeführt. Eine Anzahl Lehrlinge ist eigens zu diesem Zweck nach Ingolstadt gekommen. Das Kirchengestühl und die Beichtstühle werden direkt im Kloster Birkeneck gefertigt. Von der Gemeinde Entraching bei Landsberg am Lech wird eine aus dem 16. Jahrhundert stammende und unter Denkmalschutz stehende Glocke gekauft. Für den Hochaltar wird von dem Regensburger Bildhauer Guido Martini ein großes Kreuz geschnitzt. Dieses wird zunächst in München im Haus der Kunst ausgestellt bevor es nach Ingolstadt gebracht wird. Heute hängt dieses Kreuz an der Nordwand der neuen Herz-Jesu-Kirche zwischen Eingang und Sakristei. Als Dank für den ihm übermittelten Auftrag hat sich der Bildhauer Martini bereit erklärt, den Altar aus Naturholz zu stiften.

Zum Zeitpunkt der Benediktion hatte die Notkirche noch keine Seitenaltäre. Die Marienstatue für den linken Seitenaltar wurde im Dezember 1951 geliefert. Sie wurde von dem Oberammergauer Holzbildhauer Robert Sebastian Mahlknecht angefertigt und ist auf der rechten Seite des Sockels mit den Zeichen "R. S. Mahlknecht O'gau 1951" gekennzeichnet. Der Preis für die Madonna ist nicht bekannt.
Samstag, 07. Juli 1951
Die Notkirche, geschmückt für die Benediktion durch Bischof Dr. Joseph Schröffer
Am Nachmittag des 07. Juli 1951, erfolgt die Benediktion der Notkirche durch den Bischof von Eichstätt, Dr. Joseph Schröffer. Eine große Zahl von Pfarrangehörigen empfängt den Bischof vor der neuen Kirche. Neben den Ingolstädter Pfarrern nehmen an der Einweihung auch der Provinzial der Herz-Jesu-Missionare, Pater Dr. Huber, Salzburg, sowie Patres aus Birkeneck, Donauwörth und Bad Kissingen teil. Die Stadt Ingolstadt wird durch Oberbürgermeister Dr. Weber vertreten.

Nach der Benediktion trifft eine feierliche Prozession mit dem Allerheiligsten von der Mutterkirche St. Anton ein. Das Allerheiligste wird von Pfarrer Dirsch (dem späteren Pfarrer der Münsterpfarrei) getragen und am Altar dem Kurat von Herz Jesu, P. Josef Schmid, übergeben.

Doch mit der Einweihung war die Notkirche noch lange nicht fertig gestellt. So war die Kirche z.B. noch nicht mit einer Orgel ausgestattet. Vielmehr wurde der Gesang der Gottesdienstbesucher auf einem Harmonium begleitet. Erst am Josephstag des Jahres 1955, am Samstag, 19. März 1955 konnte eine neue Orgel geweiht werden. Den Gottesdienst zur Einweihung feierte der Eichstätter Domprobst Prälat Dr. Bruggaier. Weitere Gäste an der Feier waren der Provinzial der Herz-Jesu-Missionare, P. Christian Moser, MSC, Pater Krottenthaler und der Orgelbaumeister August Bittner aus Eichstätt. Die Orgel war von der Eichstätter Orgelbaufirma Bittner gebaut worden und hatte neun klingende Register und ein Register durch Windabschwächung, verteilt auf zwei Manuale mit je 56 Tasten und ein Pedal mit 27 Tasten. Die Orgel kostete damals der Pfarrei ca. 9400,-- DM. Organist und Chorleiter war damals Herr Hans Ospalek.
Notkirche
Mit der Orgel wurde an diesem Tag, dem Fest des hl. Josef, auch der rechte, dem hl. Josef geweihte Seitenaltar eingeweiht. Diese Figur wurde ebenso wie die Marienstatue von dem Oberammergauer Holzbildhauer Robert Seb. Mahlknecht gefertigt. Finanziert wurde der St.-Josephs-Altar von Spendern.

Damit waren der Bau und die Ausstattung der Notkirche abgeschlossen.