Die Geschichte des Pfarrsaals

Umwandlung der Notkirche in den Pfarrsaal

Nach der Einweihung der neuen Kirche im August 1963 wurde die bisherige Notkirche zum Pfarrsaal umgestaltet. Die Umwandlung der Notkirche in den Pfarrsaal erfolgte allerdings im Grunde genommen ohne größere Baumaßnahmen. In den ehemaligen Altarraum wurde eine Holzbühne mit Vorhang eingebaut. Die Beleuchtung für die Bühne wurde von Pfarrangehörigen mit primitivsten Mitteln selbst gefertigt. Im Eingangsbereich des Pfarrsaals wurde eine Küche sowie Toiletten eingebaut. Später wurde für die Küche noch eine große Durchreiche eingebaut, damit die Verteilung in den Pfarrsaal besser zu bewerkstelligen war. Die Treppe zur Empore wurde im Laufe der Zeit morsch und musste erneuert werden. Dazu wurde allerdings nicht mehr die alte Treppe erneuert, sondern eine komplett neue, frei im Raum stehende, Treppe eingebaut. An der Stelle der alten Treppe wurden zusätzliche Toilettenanlagen eingebaut, da die vorhandenen Anlagen bei größeren Veranstaltungen zu klein waren.

Eröffnung des Pfarrsaals 1964

Am Samstag, 11. Januar 1964 um 20:00 Uhr wird der neue Pfarrsaal mit dem Theaterstück "Nachtverhör" von Tony van Eyk eröffnet. In dem Stück wird anhand des Schicksals eines Bischofs die Problematik der Christenverfolgung in den Ostblockstaaten bearbeitet. Das Theaterstück wird am Sonntag, 12. Januar 1964 um 20:00 Uhr wiederholt. Weitere Theaterstücke, die im Pfarrsaal aufgeführt werden sind

  • im Februar 1965 das Lustspiel "Der Meisterboxer",
  • im März 1966 das besinnliche Theaterstück "Wo ist das wahre Glück",
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1964 findet auch bereits ein Faschingsball statt. Auch in den folgenden Jahren gibt es einen Pfarrball. Dieser wird bis 1968 jeweils an einem Sonntag gehalten, da der Pfarrer, P. Schmid, davon ausgeht, dass die Leute, wenn sie am Samstag zum Pfarrball gehen am Sonntag nicht ausgeschlafen haben und deshalb die Sonntagsmesse versäumen. Von 1969 bis 1971 findet dann der Pfarrball jeweils am Freitag statt, ab 1972 wird der Pfarrball an einem Samstag veranstaltet und 1974 wird der Pfarrball auf den Faschingssamstag gelegt. die Pfarrbälle waren immer sehr gut besucht und bei der Planung zur Renovierung des Pfarrsaals 1986 spielten auch die Überlegungen zum Pfarrball eine nicht unbeachtliche Rolle. Man befürchtete, dass die Attraktivität des Pfarrsaales für die Pfarrbälle leiden würde, dass weniger Personen Platz finden würden usw. Letztlich gab aber doch den Ausschlag, dass man einen Pfarrsaal wollte und nicht einen Tanzsaal. Nach dem Umbau waren die Pfarrbälle auch tatsächlich weniger gut besucht. Ob dies allerdings nur am Umbau lag ist zu bezweifeln, da auch die Bälle anderer Veranstalter unter einem deutlichen Besucherschwund litten.

Der Pfarrsaal wird auch außerhalb des Faschings regelmäßig für Tanzveranstaltungen genutzt. So sind am 21.05.1965 alle Pfarrangehörigen zu einem Maitanz in den Pfarrsaal eingeladen. Weiter seien genannt

  • am Freitag, 29.05.70, ein "Boarischer Abend", bei dem verschiedene Volksmusikgruppen singen und musizieren;
  • am Samstag, 13.11.71, ein Bayerischer Abend unter dem Motto "Boarisch gsunga, boarisch tanzt" mit der Eichstätter Geignmusi, der Oberbauer Tanzlmusi und verschiedenen Gesangsgruppen
  • am Samstag, 13.05.72, ein Maitanz
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Natürlich finden im Pfarrsaal auch Pfarrveranstaltungen statt. Als Beispiele seien genannt:

  • am 2. Adventsonntag 1967 um 19:00 Uhr ein adventlicher Pfarrfamilienabend mit Spiel, Chorgesang, Volksmusik und Volksgesang
  • am Sonntag, 14.07.68, um 20.00 Uhr ein bunter Abend für die gesamte Pfarrgemeinde
  • am Sonntag, 15.12.68, ein adventlicher Nachmittag
  • am Samstag, 28.11.70, eine Adventfeier, die von den "Donau-Kosaken" unter Leitung von Josef Bauch gestaltet wird. Die Jugend veranstaltet eine Tombola zugunsten von Pater Fürnrohr
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Die Listen ließen sich beliebig fortsetzen. Diese kleine Auflistung zeigt aber, dass der Pfarrsaal regelmäßig und häufig genutzt wurde.

Eine Renovierung wird notwendig

Diese intensive Nutzung hinterließ natürlich auch ihre Spuren und im Laufe der Jahre stellten sich zunehmend Mängel am Pfarrsaal ein. Nachdem weder der Saal noch die Küche eine Lüftungsanlage hatten, ergab sich bei größeren Veranstaltungen immer das Problem, dass die Fenster und der Steinboden im Pfarrsaal schwitzten. In der Küche führte dies dazu, dass die Wände Schimmelflecken bekamen. Die sanitären und hygienischen Verhältnisse wurden allmählich nicht mehr haltbar.
In den Wänden des Gebäudes bildeten sich auch zunehmend Risse und eine Renovierung erschien dringend erforderlich, um einen weiteren Verfall des Gebäudes zu verhindern.
Im Bereich der ehemaligen Pfarrer- und Kaplanswohnungen waren auch noch einige Zimmer an alleinstehende Männer vermietet. Im Grunde genommen war aber auch dies nicht länger tragbar, da die Zimmer und insbesondere die sanitären Anlagen in einem Zustand waren, der eine Nutzung zu Wohnzwecken eigentlich nicht mehr zuließ. Die Mieteinnahmen waren im übrigen so gering, dass aus der Vermietung auch kein wirtschaftlicher Gewinn gezogen wurde.
Ein weiterer wichtiger Grund für eine notwendige Renovierung war die unzureichende Raumsituation in der Pfarrei. Sitzungen des Pfarrgemeinderates und der Kirchenverwaltung fanden in der Pfarrbibliothek statt. Alle kleineren und mittleren Veranstaltungen der Pfarrgemeinde (Bildungsveranstaltungen, Vorträge, Veranstaltungen von KAB Herz Jesu, Frauenkreis oder Seniorenkreis usw.) fanden im Keller des Kindergartens statt. Nachdem aber diese Räume auch vom Kindergarten genutzt wurden und das Kindergartengesetz eine solche doppelte Nutzung nicht mehr zuließ, musste dringend ein Ausweg gesucht werden. Als das Bischöfliche Ordinariat in Eichstätt für einen Umbau grünes Licht gab, wurde der Ingolstädter Architekt Florian Brand mit der Planung und Durchführung des Umbaus beauftragt.

Die Planungen

Das neue Pfarrheim sollte einen großen Saal für ca 200 Personen und einen kleinen Saal für ca. 80 Personen haben. Ferner sollte ein Raum für Sitzungen des Pfarrgemeinderates oder der Kirchenverwaltung eingeplant werden. Auch für die Jugend sollten Gruppenräume eingebaut werden.

Nach mehreren Planungsvorschlägen fand Architekt Brand schließlich eine Lösung, die die gestellten Forderungen erfüllte. Der große Saal wurde praktisch umgedreht und etwas verkleinert. Der bisherige Seiteneingang wurde zum Haupteingang, durch den man ein großzügiges Foyer betritt. Über diesem Foyer und der Küche konnte ein kleiner Saal für etwa 60 Personen untergebracht werden. Im östlichen Teil des Gebäudes wurde Platz für einen Konferenzraum im Erdgeschoss und drei Jugendräume mit Teeküche im Obergeschoss geschaffen.

Der Umbau

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 Im Herbst 1986 begannen die Bauarbeiten, die an die Firma Röß vergeben worden waren. Zunächst wurde das gesamte Gebäude entkernt. Sämtliche Fenster, Türen und Treppen wurden herausgerissen. Zum Teil wurden auch die Geschoßdecken entfernt, so dass zum Schluss nur noch die Hauptmauern stehen blieben. Im Frühjahr 1987 wurde dann mit der eigentlichen Renovierung begonnen. Diese sollte bis zum Oktober 87 abgeschlossen sein. Sie geriet jedoch einige Male ins Stocken, als der Architekt notwendige Entscheidungen nicht traf. Schließlich wurde der Samstag, 21. November 1987 als Tag der Einweihung bestimmt. Dabei sollte gleichzeitig auch der 80. Geburtstag von Pater Josef Schmid gefeiert werden.

Wer noch in der Woche vor der Einweihung das Pfarrheim sah, konnte nur den Kopf schütteln. Es schien schlichtweg unmöglich, dass der Einweihungstermin eingehalten werden konnte. Jedoch, die Handwerker arbeiteten mit Hochdruck und auch viele freiwillige Helfer aus der Pfarrei halfen fleißig mit. Noch am Tag der Einweihung waren die Handwerker damit beschäftigt, die letzten Bodenfließen zu verlegen, Fußbodenleisten anzubringen und die Trennwände in den Toiletten zu montieren. Zwischen all den Handwerkern waren Männer und Frauen aus der Pfarrei, die aufräumten, putzten, saubermachten. Die Männer der Freiwilligen Feuerwehr Haunwöhr brachten die Tische und Stühle, die im Stadel von Jakob Schmidl zwischengelagert worden waren, und stellten sie auf. Schließlich war das kleine Wunder vollbracht. Das neue Pfarrheim konnte eingeweiht werden, auch wenn noch nicht alles fertig war.

Die Einweihung des renovierten Pfarrsaals

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Am 21. November um 18:00 Uhr wurde ein Festgottesdienst mit H.H. Domkapitular Brandl aus Eichstätt, P. Josef Schmid und Pfarrer Paul Trollmann gefeiert. Der Kirchenchor unter Leitung von Josef Kreller sang die Missa in C-Dur von Anton Bruckner. Zur anschließenden Einweihung des neugestalteten Pfarrzentrums fanden sich zahlreiche Ehrengäste ein, darunter der Architekt Florian Brand, Dekan Andreas Risch, Bürgermeister Paul Wegmann sowie die Stadträte Walter Bundschuh und Henry Schubert. Weiter waren Herr Pfarrer Rahm von der evangelischen Nachbargemeinde Spitalhof, der frühere Kaplan P. Johann Bauer und Pfarrer Michael Hierl von St. Anton anwesend. An der Einweihung wollten auch so viele Pfarrangehörige teilnehmen, dass der Saal schon bei dieser ersten Veranstaltung zu klein war und viele enttäuscht nach Hause gehen mussten.

Nach der Segnung des Gebäudes durch Domkapitular Brandl überbrachten die Gäste ihre Glück- und Segenswünsche. Musikalisch umrahmt wurde dieser Teil des Abends von den Bläsern der Pfarrei unter Leitung von Sebastian Biswanger, dem Kirchenchor und einer Kinder-Flötengruppe.

Anschließend folgte der unterhaltsame Teil des Abends mit einem Bändertanz der Jugend. Höhepunkt des geselligen Teils des Abends war ein "Theaterstück" des Frauenkreises und der Auftritt der Schanzer Kosaken unter Leitung von Josef Bauch. Das Theaterstück des Frauenkreises war an die Fernsehsendung "Wetten dass ..." angelehnt. Höhepunkt war die Saalwette, in der gefordert worden war, dass drei Pfarrer auf der Bühne einen Sketch oder einen Witz spielen sollten. Als Pfarrer Trollmann, Pfarrer Hierl und Pater Bauer diese Wette einlösten, tobte der Saal vor Begeisterung. Domkapitular Brandl, der sich eigentlich nach dem offiziellen Teil verabschieden wollte, blieb bis zum Schluss des Abends und auch von den anderen Gästen verließ keiner vorzeitig den Saal.

Die Kosten

Für die Renovierung ergaben sich nach der erst im Juli 1989 vorliegenden Endabrechnung folgende Kosten:
Gesamtsumme aller Ausgaben: 1.802.967,00 DM
Davon zuschussfähige Kosten: 1.661.584,00 DM
Gesamt-Zuschüsse: 1.604.267,00 DM
   (davon Bisch. Ordinariat 1.329.267,00 DM)
   (Stadt Ingolstadt 275.000,00 DM)
Leistung der Pfarrgemeinde* 198.700,00 DM
Insgesamt 1.802.967,00 DM

* Die Summe von 198.700,00 DM, die von der Pfarrgemeinde zu erbringen ist, setzt sich wie folgt zusammen:
Vorhandenes Kapital 19.400,00 DM
Spende 33.000,00 DM
Spenden durch Pfarrgemeinde 92.260,00 DM
Darlehen 54.000,00 DM

Dass dieses Geld gut angelegt war und der neue Pfarrsaal auch rege genutzt werden sollte zeigte sich bereits wenige Wochen später, als am 16. Dezember 1987 der Bezirk Oberbayern ein Adventsingen im Pfarrsaal veranstaltete. Dazu wurde um 19:00 Uhr ein Abendgottesdienst gefeiert, gestaltet von der Eichstätter Geigenmusi, der Singgruppe Bergmüller, den Schanzer Sängerinnen und dem Schanzer Viergsang. Anschließend war dann die Veranstaltung im Pfarrsaal unter dem Motto "Das Weihnachtslied aus Oberbayern - ein Hörbild aus 500 Jahren". Die Sprecher sind Bezirksheimatpfleger Wolfgang Scheck, Ernst Schusser und Helmut Karg. Außerdem beteiligen sich die Rohrdorfer Sänger, die Rosenheimer Geigenmusi, der Mühlrieder Hausgsang, der Schanzer Viergsang u.a.

Am 10. Januar 1988 wurde der renovierte Pfarrsaal der Pfarrgemeinde bei einem Tag der offenen Tür präsentiert.

In der folgenden Zeit wurde der Pfarrsaal rege genutz und von der Pfarrei gut angenommen. Auch Faschingsbälle fanden wieder statt. Allerdings gab es dabei auch einige jahre, an denen man sich ernsthaft überlegte, ob es noch Sinn macht, angesichts der geringen Besucherzahlen, einen Faschingsball in der Pfarrei anzubieten.

Als 1995/96 der Kindergarten komplett renoviert und umgebaut wurde, zogen die Erzieherinnen und die Kinder in die Jugendräume, den Konferenzraum und den kleinen Pfarrsaal um. Lediglich der große Pfarrsaal stand weiterhin für Veranstaltungen der Pfarrei zur Verfügung. Dieses Provisorium bestand bis zur Fertigstellung des Kindergarten im Sommer 1996.